Programmheft


Der Abend vor der Abreise. Verdammt bin ich aufgeregt. Ich kann kaum ein Auge zu drücken. Beim Lesen kann ich micht konzentrieren, im Fernsehen läuft auch nichts. Naja so gegen 1:00 Uhr schlafe ich dann endlich ein und träume….


Der Wecker klingelt. Schnell aufstehen, Kinder zur Schule bringen, ins Auto und los… Naja hat dann doch etwas länger gedauert. Auf jeden Fall sind wir gegen 9:00 Uhr aus Berlin losgefahren. (Frauen brauchen halt etwas länger…) Saab sei Dank (ja Marco musste nicht mit seinem Silberpfeil nach Monaco reisen, sondern durfte oder besser musste Saab fahren) ging es dann ganz flott voran. So gut wie kein Verkehr auf der Autobahn, aber irgendwie ähnelt die A9 bis zum Hermdorfer Kreuz einer Dauerbaustelle. Aber alles kein Problem auch München läßt sich problemlos umschiffen oder besser umfahren. Weiter geht es über Österreich und den Brenner nach Italien in das heilige (Ferrari) Land. Nach ziemlich genau 1.000 km gegen 18 Uhr hat meine Beifahrerin keine Lust mehr dauerhaft im Auto zu schlafen. Wir beschliessen zu übernachten. Bietet sich auch an, da wir gerade am Gardasee angekommen sind. Wir finden ein schönes Hotel mit Blick über den See in Desenzano. Ich als Fahrer bin allerdings auch schon etwas kaputt und froh das wir jetzt übernachten. Noch eine schöne Pizza gegessen und ein fantastisches Eis und dann geht´s ab ins Bett.


Der Wecker klingelt. Schnell aufstehen, Kinder zur Schule bringen, ins Auto und los… Ach die Kinder sind ja zu Hause. Na gut also frühstücken, das Auto aus dem Parkhaus holen und gegen 8:45 geht die wilde Fahrt über die italienischen Autobahnen los. Irgendwie habe ich ein deja vù. Die Autobahn ist eine ewige Baustelle… Zur Belohnung ist auch das Wetter besch… Es regnet am Stück. Italiensche Orte wie Brescia und Cremona fliegen an uns vorbei. Kurz vor Genua dann der Blick aufs Meer! Traumhaft! Die Autobahn schlängelt sich aus den Alpen herunter zum Mittelmeer, schon alleine für diesen Blick lohnt sich die Fahrt. Es folgen an der Strecke hunderte oder tausende von Tunneln. Ich glaube ich bin noch nie so viele Tunnel hintereinander gefahren. Immer wieder hat man fantastischen Blick aufs Meer. Ich weiss, ich soll fahren und nicht gucken (sagt Nicole). Hinter Ventimiglia kommt schließlich die französische Grenze. Plötzlich ist sie da die Ausfahrt von Monaco… Es ist kurz vor 12:30 Uhr das zweite freie Trianing fängt gleich an… Aber wir fahren ja weiter auf der Autobahn nach Nizza. Nizza Nord geht es dann runter von der Autobahn. Erste Erfahrungen mit dem französischen Strassenverkehr sind ernüchternd… Die fahren noch beknackter als die Italiener. Gegen 13 Uhr kommen wir in unserem Hotel (Hotel Ibis) am Bahnhof in Nizza an. 1430 Kilometer sind geschafft. Die Verständigung mit dem Hotelpersonal gestaltet sich etwas schwieriger (Parlez vous pommes frites?) Das Hotel ist in Ordnung, nur wohin mit dem Auto? Das Parkhaus ist voll. Also in der Nähe ein neues Parkhaus suchen. Nachdem auch das geklappt hat, geht es ab ins Zimmer umziehen und runter zu Fuss die Strassen (oder waren es die Dächer) von Nizza unischer machen. Die Stadt ist toll. Es gibt viel zu sehen. Durch die Einkaufsstrassen, runter zum Strand, entlang am Strand, zum Hafen, rauf auf den Hügel der ehemaligen Festung, runter in die Altstadt, kreuz und quer durch Nizza. Alleine an der Strandpromande zu sitzen und die Autos anzusehen ist toll. Ich schätze in einer viertel Stunden fahren 5 Ferrari, 6 SL 500 (der neue natürlich) unzählige Porsche, Maserati vereinzelt,… an uns vorbei. Schliesslich haben wir Hunger und suchen uns ein Restaurant. Eigentlich nicht schwer, aber auf was haben wir Appetit? Man merkt den italienischen Einfluss in Nizza, schliesslich war Nizza mal italienisch! Wir entscheiden uns für Pasta und staunen doch wieder mal über die Preise. Pasta 9-16€, Pizza 11-15€. Da sollen wir uns hier mal beschweren. Wir essen gut und sind dann nach einem weiteren Marsch durch die City völlig erschossen und gehen schlafen. Ach ja vorher nach ein kurzer Blick auf die Trainingsergebnisse von Donnerstag. Oh Schreck Schumi ist nur auf Platz 11. Was soll das denn?

Infos zu Nizza gibt es übrigens hier: http://www.ville-nice.fr/americain/index.html


Hochzeitstag, der achte um genau zu sein. Ausschlafen ist angesagt, denn heute ist kein Training in Monaco, was soll ich nur machen? Na gut, machen wir einen auf Land und Leute und klappern ein paar Ortschaften ab. Im Stop and Go geht es nach Antibes. Auf dem Weg dorthin kann ich nur feststellen, dass ein Saab vollkommen deplatziert ist. Angebracht wäre ein neuer SL 500, Ferrari oder Porsche 911 Turbo, GT2 oder GT3. Ein normaler 911 ist zu profan. Antibes ist ein sehr schöner Ort, mit einer wunderschönen Altstadt, einem tollen Markt und einem unglaublichen Yachthafen. Die Boote dort übertreffen alles, was ich je gesehen habe. Nicole und ich beschliessen spontan Lotto-Millionäre zu werden. Nach einem kleinen Imbiss geht es weiter nach Port Grimaud. Ein kleines künstlich aufgebautes Lagunen Dorf. Der Bau wurde in den 60er Jahren angefangen und auf alt getrimmt. Insgesamt wirkt das ganze wie eine kleine Piratenstadt. Heute hat Port Grimaud ca. 2.500 Wohnungen und 3.000 Schiffsliegeplätze. Auch wieder Botte ohne Ende, allerdings nicht so gross wie in Antibes. Der weg zur Lotto Million geht weiter. Zum ausspannen ght es anschliessend für 1,5 Stunden zum Strand. Ich traue mich ins Wasser, bereue es aber bald. Die Temperaturen liegen bei ca. 18° C. Ist schon kalt. Wenn man hier unten ist muss man natürlich nach St. Tropez. Vor allem wer Lotto-Millionär werden will, muss hier hin. Nach dem Bummel durch die Gassen mit vielen Edel-Boutiqen (Was kostet an diesem Fetzen eigentlich 900€?) hinunter zum Hafen, beschliessen wir, die Lotto-Million wird nicht reichen. Hier liegen zwar nur wenig Botte, dafür aber verdammt grosse! Meine beiden Autos (Ferrari F360 Modena und Porsche 911 GT2) stehen auch schon bereit. Die Preise der Restaurants sind noch unglaublicher, als in Nizza. Also geht es nach St. Maxime und dort essen wir sehr gut und relativ günstig. Ein kompletter Fisch für 17,50€. Anschliessend geht es wierder zurück nach Nizza, schliesslich ist morgen der erste grosse Tag. Ach ja Trainigsergebnisse gibt es heute nicht.


Der Wecker klingelt, der Ernst des Lebens beginnt. Anziehen, frühstücken, Schumi Basecap auf den Kopf und auf geht es zum Bahnhof. Wir scheinen nicht die einzigen zu sein, die nach Monaco wollen. Wir stehen ca. 30 Minuten im Bahnhof bis es weiter auf die Gleise geht. Nach 20 Minuten sind wir in Monaco angekommen. Aus dem unterirdischen Bahnhof geht es heraus und man kann "es" hören. Das dritte freie Training läuft. Ich kann gar nicht schnell genug zum "Secteur Rocher" kommen, wo unsere Plätze sind. Der "Secteur Rocher" liegt oberhalb von "La Rascasse" und "Anthony Noghos".

Monaco Grand Prix Strecke


Mir stehen die Tränen in den Augen und ich muss an die Abschiedsparty denken. Ich bin da. Ich kann die Formel 1 sehen, riechen und vor allem hören. Der Sound ist unglaublich. Wir suchen uns schnell ein paar Stehplätze an der Strasse und sehen uns die beiden Trainingssessions an. wie üblich müssen in Monaco ein paar Autos aus den Leitplanken gezogen werden. Ich bewege micht nicht mehr vom Fleck. Vor Aufregung vergesse ich Bilder zu machen. Auch das freie Training läuft nicht so wie ich mir das gewünscht habe. Nach dem freien Training geht es weiter die Strasse rauf zum Palast von Fürst Rainier. Netter Blick von hier oben. Wir beschliessen, das Abschlusstraining vom oberen Ende des "Secteur Rocher" zu betrachten. Wir sehen ein spannendes Training, auch wenn rot nicht ganz vorne liegt.

Ferrari Box

Die Trainigsergebnisse kann man halbwegs auf den Videoleinwänden erkennen. Ich bin absolut begeistert. Monaco, die Strecke und das ganze drumherum sind einmalig. Das ist hier alles so winzig und die Jungs brezeln hier mit Tempo 300 durch die Stadt. Die Leistung muss man einfach bewundern. Wir beschliessen, für morgen früh einen Platz auf dem Hang unterhalb des Fürstenpalastes zu besezten. Naturtribüne ist dafür schon übertrieben. Das ist einfach ein Hang. Es geht zurück nach Nizza und nach einem kurzen Nickerchen, beschliessen wir die französische Wirtschaft anzukurbeln und etwas Geld auszugeben. Nach einem tollen Abendessen und dem schlendern durch die Stadt, beginnt die mentale Vorbereitung auf das Rennen.


Ticket Sonntag


Der Wecker klingelt. Ich kann es kaum erwarten. Warum muss Nicole eigentlich gerade heute zum Frühstück grossen Hunger haben. Ich esse schnell und habe eigentlich kaum Appetit (was ja recht selten ist). Wir sind früher am Bahnhof und haben Glück, kaum Leute da. Erste Zweifel tauchen auf. Sind wir zu spät? Rein in den Zug und ab in das Fürstentum. Wir sind gegen 8:45 da und haben Zeit uns einen Platz zu suchen. Wir klettern den Felsen hoch und finden uns unter lauter gleichgesinnten. Viele tragen rote Kappen. Die erfahrenen Monaco Reisenden haben Bergsteigerschuhe, Spitzhacken, Decken und natürlich Verpflegung mit. Wozu man das braucht? Der Berg ist steil und man kann leicht abrutschen (dazu später mehr), da helfen schon ein paar Wanderschuhe. Die Spitzhacke bracht man, um seinen Platz von Büschen und Steinen zu befreien. Die Decke um etwas bequemer zu sitzen. Verpflegung und ein Handtuch zum sitzen haben wir aber zumindest mit. Nicoles Latschen sehen nicht Berg geeignet aus, aber wir schaffen es trotzdem.

Secteur Rocher

Secteur Rocher

Wir sehen ein Grossteil der Strecke: Tunnelausfahrt und Schikane, Schwimmbad, den Anfang der Start- und Zielgeraden, … Der Blick ist besser als auf den Tribünen. Nicoles Meinung zu dem Thema:"Wenn das Rennen langweilig ist, kann ich mir immer noch die tollen Boote ansehen." Zwei Videoleinwände berichten vom Rest der Strecke.

Strecke Secteur Rocher

Die Devise heisst heute aufgestanden, Platz vergangen. Das Warm-up beginnt um 9:30. Endlich. Da ist wieder die Gänsehaut. Der Sound ist einfach klasse. Ziemlich viel Action auf der Strecke. Das Ergebnis lässt mich hoffen. Schumi als zweiter hinter HHF.

HHF

Es folgt das Rahmenprogramm mit 911 Super Cup (Bei den DTM Rennen hatte ich immer das Gefühl die sind laut) und Renault Clio Trophy. Die Jungs sind mit ordentlichen V6-Motoren im Heck bestückt und bieten reichlich Action und Unfälle auf der Piste. Die Fahrerparade findet statt und die Spannung steigt. Gleichzeitig steigt der Pegel meiner Blase. Ich verlasse meine Frau, um die Blase zu leeren. Machen die Fahrer ja schliesslich auch vor dem Rennen. Also runter den Hügel und hin zu "Toilettes". Leider war ein Stein der Meinung, er müsse mein Gewicht nicht aushalten. Es folgte ein Rutschen den Hang hinunter. Nach ca. 4m war ich dann unten und die Hose hinüber. Nach Schlange stehen und erfolgreicher Leerung geht es wieder den Berg hinauf. Treffe unterwegs ein paar Holländer. Was machen die eigentlich hier? Wie beim Fussball ist Holland schliesslich nicht dabei, da Joss (The Boss) Verstappen dieses Jahr seinen Arrows Platz an HHF abtreten durfte. Endlich bin ich wieder zurück, Nicole wollte mich schon vermisst melden. Um 13:30 fahren endlich die ersten Autos in die Startaufstellung. Gegen 13:40 fährt Schumi wie immer als einer der letzten auf seinen Platz. Die Spannung steigt. Punkt 14 Uhr dann endlich die Aufwärmrunde. Alle kommen vom Fleck. Alles wartet auf den Start. Die Überrraschung die Silberpfeifen kommen vom Start weg und das auch noch schnell. Das erste Mal seit ca. 1,5 Jahren gwinnt ein McLaren-Mercedes ein Startduell gegen einen BMW-Williams. Alle Achtung. Villeneuve lässt erstmal alle brav vorbei, bevor dann aus der Boxengasse doch noch startet. Die Prozession an der Spitze beginnt. Im Mittelfeld gibt es ab und zu ein paar Überholversuche, die entweder in der Leitplanke oder im Gegner enden. Montoyas Motor löst sich in Luft auf. Verhaltener Jubel bei den roten Fans. Barrichello versucht durch Kimi hindurchzufahren, was natürlich nicht klappt. Zur Belohnung erhält er einen neuen Frontflügel und eine Stop and Go Strafe. Nach der Boxenstop Arie bleibt Schumi hinter Coulthard. Vielleicht fällt der Wagen ja noch aus ist schliesslich ein Mercedes. Aber Coulthard fährt heute fehlerfrei. Die Action passiert immer noch auf den hinteren Rängen,  mit Trulli und Fisico und Barrichello gegen Frentzen. So hat das Rennen dann doch einen unerwarteten Ausgang. Meine Gratulation aber trotzdem an Coulthard.

Final Lap

Die Ergebnisse des Rennens gibt es hier...

Nach der Siegerehrung geht´s dann ab den Berg hinunter (ohne rutschen). Am Bahnhof wartet eine Menschenmasse darauf nach Nizza verfrachtet zu werden. Das Glück ist uns hold und wir ergattern uns zwei Sitzplätze. Völlig erschöpft errreichen wir das Hotel. Jetzt heisst es Sachen packen und dann gibt es die Henkersmahlzeit. Wir haben uns ein schönes Restaurant in der Nähe des "Palais du Justice" ausgesucht. Wer mal in Nizza ist, sollte dort unbedingt vorbeischauen. Das Restaurant heisst "Pelican´s". Gestärkt und um die letzten Euros erleichtert geht es ab ins Hotel. Morgen früh geht es schliesslich wieder zurück.


Der Wecker klingelt. Oh Gott ist das früh, ab unter die Dusche zum frisch machen. Es ist 3:30 Uhr. Auschecken, Auto aus der Garage holen (für 38€) und wieder zurück über die Autobahn. Vor Genua verfahre ich mich prompt (Richtung Turin statt Mailand), da mein Navigationssystem neben mir sanft schlummert. Gegen 7:30 Uhr falle ich beinah vom Lenkrad, also lecker frühstücken (wieder am Gardasee) und Fahrertausch. Jetzt heisst es Schlaf nachholen. Ich döse vor mich hin und werde erst wieder in Deutschland wach. Nach erneutem Fahrerwechsel, geht es dann durch bis Berlin. Um 16:30 sind wir schliesslich wieder zu Hause. 13 Stunden und 1450 Kilometer haben uns ganz schön geschafft.


Ich habe heute meinen ersten Arbeitstag wieder im Büro verbracht und habe Sehnsucht nach Motorengeräuschen, Südfrankreich und mein Bett, denn ich bin noch immer müde.


Habe mich soeben bei "Wer wird Millionär angemeldet?" Günther Jauch ich komme!


  • 3114 km Autofahrt
  • ca. 80€ Mautgebühr
  • Franzosen können Englisch, wenn sie wollen
  • Taube Ohren
  • Essen wie Gott in Frankreich, heisst du brauchst Geld wie Heu
  • Franzosen kennen Ampel, wissen aber nicht wozu sie da sind
  • Wie komme ich nach Montreal zum nächsten Rennen?
  • Wann werde ich endlich Millionär?

Es war einfach geil!

Gruß Marco

 
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Monaco 2002
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